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Betriebs-, Familienhilfsdienst und Maschinenring Coesfeld e.V.

„Ohne Profil ist man noch lange kein Rennreifen!“

Datum: Freitag, 28. August 2009

Reifen unterhalten sich

Eine Geschichte zum Schmunzeln, die Schlepperreifen menschliche Züge verleiht. (Fortsetzung)

Zurück auf dem Hof mischt sich in das Gespräch der „Großen“ der Vorderreifen des alten Hofschleppers ein. Der betagte Kollege wird liebevoll „Slicker“ genannt, auch wenn er mit einem profillosen Rennreifen nun wirklich nicht viel zu tun hat.

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Er erzählt mit zittriger aber weiser Stimme, wie es früher war, als er noch ein richtiges Profil hatte und auf den Acker durfte: „Ja, ja, das waren noch Zeiten. Der Bauer hatte noch Zeit. Gemütlich ging es über Straßen und Wege und auf dem Acker habe ich oft lange gewartet, bis der neueste Tratsch mit dem Nachbarn ausgetauscht war. Heute kann es ja gar nicht schnell genug gehen. Ich bin froh, dass ich als alter Diagonal-Reifen da nicht mehr mithalten muss. Mir wird ja schon schwindelig beim Zuschauen. Immerhin muss ich mich viel schneller drehen als meine großen Kollegen an der Hinterachse.“ Slicker freut sich schon darauf, dass bald der neue Teleskop-Lader vom Maschinenring kommt, damit er seinen wohlverdienten Ruhestand als Ballastreifen auf dem Fahrsilo genießen kann. „Über einen Rahmenvertrag des Maschinenrings bekommt der Bauer einen ordentlichen Rabatt beim Kauf des Teleskop-Laders“, weiß der „Fast-Rentner“ zu berichten.

 

„Bescheidenheit ist eine Zier, doch …“

Am nächsten Morgen geht die Silomais-Ernte weiter. Ein „Kollege“ vom Lohnunternehmer und einer am Mietschlepper des Maschinenrings kommen dazu, weil der Mais-Acker weit vom Hof entfernt liegt. Die beiden „Typen“ heißen Schlappi und Flexus und sind sehr von sich eingenommen. Sie prahlen mit ihrer Luftdruckregelanlage, dass sich „die Balken nur so biegen“. „Mein Fahrer kann mir direkt vom Schleppersitz aus immer den richtigen Reifendruck einstellen – weniger Druck auf dem Acker und mehr auf der Straße", erklärt Flexus mit einer schwer zu übersehenden Überheblichkeit. "Es macht schon Spaß mit einem modernen Schlepper mit über 200 PS zusammenzuarbeiten. Auf dem Acker hast Du richtig Power und auf der Straße fühlt man sich wie ein Rennreifen, wenn einem der Fahrtwind um die Nase weht. Wir sind mindestens 400 bis 500 Stunden im Jahr auf Asphaltstraßen unterwegs. Ohne unsere Luftdruckregelanlage müssten wir viel mehr Volumen haben und wären deshalb viel teurer.“

Schließlich mischt sich ein Reifen eines großen Güllewagens mit Tridemachse ein, der zufällig in der Nähe auf seinen Einsatz wartet: „Das kann man sich ja nicht mehr mit anhören. Wir haben unsere eigene Regelanlage mit Kompressor an Bord und wenn ich das Geprotze höre, bin ich froh, nicht von einem Schlepper mit Luftdruckregelanlage abhängig zu sein. Uns kann jeder Bauer vom Maschinenring mieten, auch wenn sein Schlepper keine Regelanlage hat. Wir lieben die Unabhängigkeit, sind bodenschonend auf dem Acker und trotzdem schnell auf der Straße.“

Grafik: Frank Speth