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Betriebs-, Familienhilfsdienst und Maschinenring Coesfeld e.V.

Euromaster / Spritspartraining und Reifendruck

Datum: Donnerstag, 15. Oktober 2009

Euromaster

Mit dem richtigen Reifendruck:

- Boden schonen

- Kraftstoffverbrauch reduzieren

- Erträge steigern

 

 

Petrus sollte zum Ehrenmitglied der Maschinenringe ernannt werden: er hat für optimales Wetter gesorgt am Tag der Maschinenvorführung in Rot am See am 6. Oktober. Es war weder zu heiß noch zu kalt, fast windstill, und am Vortag hatte er ein paar mm Niederschlag geschickt, auf dass der Staub gebunden werde…

Diese per se schon einmal sehr günstigen Bedingungen sowie das Engagement der 6 beteiligten Maschinenringe der Gebiete Blaufelden, Crailsheim, Schwäbisch-Hall, Hohenlohe, Östlicher Tauberkreis und Ansbach sorgten dann auch für ein volles Haus: sowohl um 10 Uhr als auch um 14 Uhr waren es jeweils knapp 400 Landwirte, die sich in die Details der schonenden Ackerbefahrung vertiefen wollten.

Eigentlich sollte es in der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit der Fachschule für Landwirtschaft Kupferzell durchgeführt wird, zuvorderst um Gülleausbringung gehen. Da diese aber schonend erfolgen muss, lag es nahe, die Fa. Euromaster als Partner der MR zu gewinnen, um einen Schwerpunkt auf Reifendrücke und Bodenschonung zu setzen und damit das Thema sinnvoll abzurunden.

Die theoretische Einführung in das Thema fand in der Muswiesenhalle statt. Der Vorsitzende des MR Blaufelden als Veranstalter, Herr Hofmann, begrüßte die Gäste und wies auf die Relevanz der Bodenschonung hin: der Boden ist das Kapital, dementsprechend sorgsam muss er behandelt werden. Dieser Gedanke wurde anschließend von Herrn Deinhardt (Euromaster) weitergeführt und in die Praxis transportiert: Ein Schlepper ist nur so gut wie seine Reifen und sein Luftdruck. Das Porenvolumen des Bodens muss erhalten werden, Verdichtungshorizonte sind zu vermeiden.

Studenten der FH Soest leiteten dann über zum Versuch und machten deutlich, dass man soviel Diesel wie möglich zum Vortrieb nutzen sollte. Neben den immensen Verlusten, die über Abgase, Antrieb und Kühler verlorengehen und nicht beeinflussbar sind, hat der Landwirt sehr wohl die Möglichkeit, bei Reifen, Spur und Schlupf zu optimieren und so zumindest das maximal Mögliche für den Vortrieb zu nutzen (~40 %).  

Dann ging es zur Sache bzw. aufs Feld: die Studenten der FH waren auch in die Vorbereitungen involviert. So wurden zwei Schlepper mit je zwei Dieselsäulen ausgerüstet: während der Versuche wurde der Kraftstoff nicht dem Tank, sondern jeweils einem dieser Zylinder entnommen – wodurch anhand der Skalierung der Verbrauch exakt bestimmbar war.

Die Versuche wurden mit zwei verschiedenen Luftdrücken gefahren: der erste Durchgang mit 1,6 bar, der zweite mit 0,8 bar.

Die erste Versuchsanordnung bestand aus Zugschlepper und Bremsschlepper. Die Traktoren waren verbunden mit einer schweren Kette; der Zugwiderstand des hinteren zu ziehenden Schleppers (dessen Fahrer einen konstanten Bremswiderstand einhalten soll) wurde auf einem Display am vorderen Schlepper angezeigt.

Die auf 1,6 bar eingestellten Reifen des Zugfahrzeugs zeigten deutlichen Schlupf auf dem offenen Boden, die Spur war nicht sauber und bisweilen „hoppelte“ der Zugschlepper über den Acker angesichts der angehängten Last.

Nach dieser Fahrt wurde der Reifendruck auf 0,8 bar abgelassen: sauber und ohne erkennbares Durchdrehen durchmaß das Gespann die Vergleichsstrecke – bei bis zu 24 % weniger Dieselverbrauch, in kürzerer Zeit, reifen- und vor allem bodenschonend. Eine Vermessung der Kontaktflächen ergab Werte von 3600 gegenüber 4800 cm² bei 1,6 bzw. 0,8 bar.

Richtiger (also niedriger) Luftdruck bedeutet größere Aufstandsfläche, mehr Stollen im Boden, weniger Verdichtung und höhere Traktion (daher ja „Traktor“ = Zieher/Schlepper), also Boden- und Reifenschonung, Zeit- und Dieselersparnis.

Diese Erkenntnisse wurden auch beim zweiten Versuch bestätigt; hierbei zog ein Schlepper einen Schwergrubber und sparte um die 20% Diesel ein bei fachgerecht eingestelltem Luftdruck. 

Danach ging es zur Gülleausbringung. 11 Varianten wurden demonstriert: Vom Gülletrack über gezogene Pumptankwagen bis zum LKW war alles vertreten, z.T. auch mit Reifenreglern. Bei bis zu 40 t auf dem Acker ist klar, dass hier in Sachen Reifendruck keine Fehler gemacht werden dürfen.

Der Reifen soll sich verformen – nicht der Boden…

Viele lassen sich immer noch abschrecken vom Anblick eines scheinbar nicht genug gefüllten Schlepperreifens. Er ist aber dazu gemacht, Walkarbeit zu verrichten. Gleichwohl ist bei niedrigen Drücken Vorsicht geboten bei Straßenfahrten. Dass bei normaler Bereifung und 0,8 bar Straßenfahrten mit 60 km/h nicht mehr möglich sind, versteht sich von selbst. Wer also seinen korrekten Arbeitsluftdruck auf dem Acker einstellt, fährt dann eben langsam heim oder füllt seine Reifen vor der Straßenfahrt auf: per Druckregelanlage (sofern vorhanden) oder mit einem günstigen Reifenfüllset zum Anschließen an den Kompressor des Schleppers. Die eleganteste Lösung aber ist sicherlich der XeoBib von Michelin: Dieser (Fast)Alleskönner bringt Sie auch ohne Nachfüllen wieder schnell nach Hause.

Neben den zahlreichen Zuschauern waren auch viele der anderen baden-württembergischen MR-Vorstände und Geschäftsführer angereist. Über diese Schiene ließe sich das Thema weiterverbreiten.

Nochmal zu Petrus: ihn sollte man sich immer zum Verbündeten machen. Deshalb bei Nässe Feldarbeit vermeiden. Und bei Vorführungen um gutes Wetter bitten…