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Betriebs-, Familienhilfsdienst und Maschinenring Coesfeld e.V.

Fachtagung LandEnergie: Regenerative Energieproduktion bald ohne Landwirte?

Datum: Montag, 8. Dezember 2014

Sorgenvolle und auch empörte Stimmen zu den aktuellen politischen Entscheidungen in Sachen regenerative Energie überwogen bei den Teilnehmern und Referenten der vierten LandEnergie Fachtagung am 2. Dezember in Münster.

 

Wie im Verlauf der Veranstaltung klar wurde, bleibt die Regierungskoalition bei den aktuell massiv verschlechterten Bedingungen für dezentrale Bioenergieprojekte noch nicht stehen: Durch den angekündigten Umstieg auf ein Ausschreibungsmodell würde es Landwirten oder Bürgergemeinschaften noch einmal deutlich erschwert, selbst Energie zu produzieren. „Vordergründig geht es dabei aktuell nur um die Photovoltaik“ erklärte die Energierechts-Spezialistin Dr. Manuela Herms, „aber hier sollen auch die Weichen für Windkraft und Biomasse gestellt werden.“

Deshalb rief die Rechtsanwältin dazu auf, die Diskussionen um das neue Ausschreibungsmodell kritisch zu verfolgen und über die Verbände auch Einfluss zu nehmen. Denn falls die Pläne der Regierungskoalition tatsächlich umgesetzt werden, dann hätten Großkonzerne gegenüber kleinen Betreibern ein deutlich leichteres Spiel als bisher. Wenn tatsächlich bis spätestens 2017 die Höhe der finanziellen Förderung von Photovoltaikanlagen nur noch durch Ausschreibungen ermittelt wird, ist für jedes Projekt enorm viel bürokratische Vorleistung zu bringen – ohne bei den nötigen Berechnungen die Chance zu haben, Fremdkapital einzuholen oder Investoren zu binden. Das bringt Projekte wie Bürgergemeinschaften oder auch einzelne Landwirte in eine deutlich schlechtere Position als große Konzerne mit entsprechenden Ressourcen. Fazit von Dr. Manuela Herms: „Die Signale der Regierung gehen völlig in die falsche Richtung“.

Trotz der düsteren Aussichten, was den politischen Willen für die Energiewende in Deutschland angeht, schauten die rund 120 Teilnehmer in Münster auch nach vorne. In Vorträgen und Workshops ging es um neue technische Möglichkeiten, um die dezentrale Energieproduktion weiter voranzutreiben – sei es durch neue Speichermethoden, flexiblere Nutzung von Biogasanlagen, ein ausgeklügeltes Einspeisemanagement oder bisher kaum genutzte Methoden wie die Hydrothermale Carbonisierung (HTC).

„Wir sind beim Ausbau der regenerativen Enegiequellen schon so weit gekommen“ sagte LandEnergie-Leiter Norbert Binger, „gerade die Landwirte haben sich enorm engagiert und dafür gesorgt, dass erneuerbare Energie heute kaum noch teurer ist als konventionell hergestellte. Dieses Engagement abzuwürgen wäre fatal – jetzt müssen wir uns dafür einsetzen, dass den Bürgern die Energiewende nicht aus der Hand genommen wird“. Neutrale Information sei dabei sehr wichtig – mit der Fachtagung von LandEnergie sollte dazu beigetragen werden, den Landwirte frühzeitig das nötige Wissen an die Hand zu geben.